| Unterhaltung – die neue Killer-Anwendung in der Handy-Welt? | |||||
Angesichts einer Marktdurchdringung von über 106% in einigen Ländern stellt sich die Frage, was die Mobilfunkbranche noch zu gewinnen hat. Wie sehen die zukünftigen Möglichkeiten und Bedrohungen aus? Werden die Regulierungen der Aufsichtsbehörden uns zugrunde richten? Ich bin der festen Überzeugung, dass immer noch ein riesiges Potenzial für Wachstum und neue Geschäftsmöglichkeiten vorhanden ist, wir müssen nur wagen, diese Chancen auch zu ergreifen. Eine davon ist sicherlich der mobile Unterhaltungssektor. Zwei der bedeutsamsten geschäftlichen Entwicklungen des vergangenen Jahrzehnts waren der Eintritt der Handys in den Massenmarkt und die Zunahme der Online-Informations- und Unterhaltungsdienste. Diese beiden Entwicklungen laufen heute durch das Wachstum bei den mobilen Inhalten zusammen. Ohne übertreiben zu wollen: es sieht ganz so aus, als sei das Handy der ideale Kandidat, als die nächste Massenmarkt-Plattform im Unterhaltungssektor zu fungieren. Mit immer größeren Bandbreiten, immer mehr Funktionalität und Marktdurchdringung sind Mobiltelefone als stets präsente Geräte bestens gerüstet, gerade auch im Bereich der Musik- und Videoanwendungen für unterwegs Verwendung zu finden. Eine wesentliche Voraussetzung für die mobilen Inhalte ist allerdings der Einsatz von Systemen zur Verwaltung digitaler Rechte (DRM). Zwei Segmente im Bereich der digitalen Musikangebote Die heutige Situation des digitalen Musikmarkts ist die Geschichte zweier Segmente: online und mobil. Der Online-Markt deckt einen großen Anteil des Konsums von Inhalten ab, und wie wir wissen, wird ein erheblicher Teil dieser Inhalte illegal über Peer-to-Peer-Netzwerke erworben. In jüngerer Zeit konnte sich jedoch der Markt für DRM-unterstützte Online-Musikanbieter (wie etwa iTunes) etablieren und auch sehr schnell wachsen. Gleichzeitig weisen Kennzahlen darauf hin, dass die Piraterie in diesem Bereich im Rückgang ist, wenn auch immer noch deutlich vorhanden. Das Mobil-Segment hat eine ganz andere Geschichte. Traditionell ist Piraterie hier niemals ein Problem gewesen, da mobile Geräte und Netze unter anderem nur schlecht für den Empfang großer Dateien geeignet waren. Die Popularität von mobiler Musik zeigte sich zwar im kommerziellen Erfolg der Klingeltöne, doch waren diese DRM-kontrolliert, um eine Weitergabe zu verhindern. Somit gewöhnten Handybenutzer sich schnell daran, für mobile Inhalte zahlen zu müssen – ganz im Gegensatz zu der Erwartung vieler Online-Benutzer, nach der Inhalte (besonders Musik) gratis herunterladbar zu sein hätten. Zurzeit haben wir zwar noch mit einer Vielzahl unterschiedlicher, nicht-kompatibler DRM-Standards zu kämpfen, die Mobilbranche in Europa arbeitet jedoch auf einen offenen Standard hin (OMA v2), der eine geräteübergreifende Interoperabilität gewährleisten soll. Statistiken zur Stützung der Annahmen Die IFPI schätzt, dass der europäische Markt für Musik auf Mobiltelefonen im Jahr 2005 bereits mehr als 40% des gesamten Markts für digitale Musik ausmachte, ja sogar bis zu etwa 70% des digitalen Musikmarkts in Ländern wie Spanien und Italien. Daraus folgt, dass die Besitzer von Inhalten sich die unzweifelhaften Vorteile der mobilen Distribution zunutze machen können – größere Reichweite, geringere Distributionskosten und ein Mehr an Kundeninformationen zur Orientierung für Produktentwicklungen und Marketing – und dabei zugleich die Fähigkeit in der Hand behalten, Kosten beizutreiben und einen Ertrag auf ihre Investitionen zu erzielen. Auch wenn also die Mobilbranche die neue Zielscheibe für interne Marktregulierung ist, tun sich doch immer noch riesige Wachstumsmöglichkeiten auf, wenn wir nur unsere knappen Ressourcen mit innovativen Diensten nutzen. Wir müssen einfach stärker, klüger und schneller als die anderen Akteure sein, um zu überleben.
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